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Finanzielle Freiheit mit Teilzeit

Regelmäßig malen wir uns in der Bloggerszene aus, dass wir schon vor Erreichen der Finanziellen Freiheit das Hamsterrad verlassen und uns selbst verwirklichen könnten. Ein Beispiel hierfür liefert mein Bloggerkollege von Finanzglück.

Wie man an der Resonanz des Artikels sieht, sind wir beiden mit diesen Gedanken nicht alleine. Doch bleibt es in aller Regel beim tollkühnen Gedankenexperiment. Ohne die monatliche Sparquote erscheint das Risiko zu hoch. Doch was, wenn man das Gefühl hat, etwas tun zu müssen, weil es einen nicht mehr los lässt? Was, wenn man die Gewissheit hat, dass man seine Ängstlichkeit von heute in der Zukunft bereut? In dieser Situation befand ich mich Ende letzten Jahres.

Meine Situation

Noch habe ich die Finanzielle Freiheit nicht erreicht. Eine Familie mit Kind kostet eben. Doch Ende letzten Jahres war es soweit. Unsere Firma hatte einen Großauftrag verloren, und um Überleben zu können, wandte sich die Geschäftsführung dem Consulting zu. Für mich hätte das bedeutet: raus aus dem nur wenige Kilometer vom Heim entfernten Büro zum Kunden, tägliches Pendeln und aller Wahrscheinlichkeit nach Überstunden schieben.

Gleichzeitig hatte ich seit gut zwei Jahren ein Projekt am Laufen, das kurz vor der nächsten Phase stand: den Aktienfinder mit einer neuen Internetpräsenz auf das nächste Level heben. Nun programmiert sich mein Hobbyprojekt nicht von allein, und es war klar, dass es mir nach einem Powertag spät Abends nicht gelingen würde, das Projekt mit der notwendigen Energie weiter zu führen. Und das Wochenende ist auch für die Familie da. Es stand also eine Entscheidung an.

Nach Absprache mit meiner Frau haben ich die Prioritäten gesetzt und die daraus folgenden Konsequenzen riskiert. Die Kündigung kam einen Tag nach meiner Erklärung, dass Consulting mit mir bis auf Weiteres nicht zu machen sei.

Wie es weiter ging

Arbeitslos! Mir war das fast egal. Endlich konnte ich tun, was mir am Wichtigsten war: das Weiterverfolgen meines Projekts. Am 15. Januar war es dann so weit und ging der neue Aktienfinder live.

Natürlich forderte auch das Arbeitsamt sein Recht. Es standen also Bewerbungen an. Die Zusage für den neuen Job erhielt ich am 04. Januar. Vollzeit bei einer attraktiven Firma im Frankfurter Zentrum in meinem bevorzugten Bereich: der Finanzindustrie. Die Bezahlung war gut.

Nachdem der neue Aktienfinder live war, ging die Arbeit nicht aus. Neue Features, Marketing, und dann kam auch noch die Verantwortung gegenüber der wachsenden Mitgliedergemeinde hinzu. Was, wenn die Seite offline geht, ich tagelang bei meiner neuen Firma im Projektstress feststecke und den Fehler nicht beheben kann? Schrecklicher Gedanke!

Lange Rede, kurzer Sinn. Ein Vollzeitjob vertrug sich nicht mit meinen Projekt. Die nächste Entscheidung stand an. Also wieder mit der besseren Hälfte sprechen und die Konsequenzen ziehen. Anruf bei meinem künftigen Chef. „Tut mir leid. Ich komme nicht.“

Aber ganz ohne Einnahmen aus nicht selbständiger Arbeit kommen wir doch nicht aus. Also habe ich mich umgeschaut, was es in der Nähe gibt und mich vier Kilometer Luftlinie entfernt bei einer Softwareschmiede in Teilzeit angeboten. Seit dem 01.März arbeite ich dort.

Das Hamsterrad-System

Jeder von uns hat andere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und mehr oder weniger finanzielle Verantwortung für andere zu tragen. Dass wir dies bei unseren Entscheidungen berücksichtigen müssen, liegt auf der Hand. Dennoch vermute ich, dass viele von uns gedanklich im Hamsterrad feststecken, obwohl sie es nicht müssten.

Ich beobachte dies an mir selbst. Obwohl ich denke, dass meine Entscheidungen richtig waren, sind die Zweifel immer da.

Und dann ist da noch der Druck von außen. Der Druck des Hamsterrad-Systems. Den Vollzeitjob aufgeben. Etwas, über das sich die Nachbarn definieren. Etwas, dass Bekannte nicht begreifen, weil fehlendes Karrierestreben nicht in ihr Weltbild passt. Da muss man versuchen, drüber zu stehen.

Was es mir wiederum einfacher macht, ist die Gewissheit, recht einfach in Vollzeit zu wechseln, wenn es sein muss. Positiv überrascht hingegen hat mich die Reaktion meiner Gesprächspartner in den Vorstellungsgesprächen, wenn ich mein Projekt erwähnte und was es mir bedeutet. Verständnis und Respekt wurden mir bei allen drei Bewerbungen, in denen ich saß, entgegen gebracht. Natürlich gab es bei allen drei Bewerbungen die Frage nach einem Konflikt mit dem Job, doch bekam ich jedes Mal ein Angebot. Selbst als ich den einen zugesagten Job wieder absagte, wurde mir Verständnis entgegen gebracht und legte man mir nahe, mich wieder zu melden, falls es mit meinem Projekt nicht klappt.

Es wird also durchaus respektiert, wenn man für die eigene Sache einsteht und dies offen kommuniziert. Anfangs trug ich mich nämlich mit dem Gedanken, in den Bewerbungen mein Projekt zu verschweigen. Aber das hätte keinem gut getan.

Fazit

Natürlich habe ich Ziele und Hoffnungen, sowie keine Ahnung, was die Zukunft bringt. Doch unabhängig davon, wie es ausgeht. Ich werde mir später nicht vorwerfen müssen, aus Ängstlichkeit eine Chance vertan zu haben, an die ich glaube. Jetzt bleibt mir genügend Zeit, mich dem zu widmen, was mich motiviert und mit Stolz erfüllt. Das zählt. Ob sich die Finanzielle Freiheit auf diesem Wege erreichen lässt, werden wir sehen.

Und wer weiß, vielleicht motiviert dieser kleine Bericht einen Leser, ebenfalls vorzeitig vom Hamsterrad abzusteigen, um sich an der Verwirklichung seinen eigenen Traums zu versuchen? Ich vermute, die Erfahrung würde vielen von uns gut tun.

Wer mehr über mich und mein Projekt, den Aktienfinder, erfahren möchte, dem lege ich ein Interview mit Götz von Finanzblognews nahe, dass ich vor wenigen Tagen mit ihm führen durfte.

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Kommentar von Alexander |

Wow, also dazu meinen aller größten Respekt. Ich finde die Entscheidung sehr mutig, dass du einen Vollzeitjob ausgeschlagen hast, um dein Projekt zu verfolgen. Gleichzeitig muss man ganz klar sagen, dass es die absolut richtige Entscheidung war. Man muss es einfach probieren.

Ich könnte problemlos inzwischen halbtags arbeiten. Nur mein AG wird da nicht ganz mitspielen (30 Stunden Woche schon) und meine Frau kriegt die Panik, wenn ich entsprechend weniger verdiene oder weil ich mehr daheim bin? Vielleicht fehlt mir auch der Mut, das Ganze einfach durchzuziehen. Ich habe mir jedoch vorgenommen, spätestens in 4 Jahren (dann bin ich 55) die Arbeitszeit nach und nach runter zu fahren.

Mich hast du auf alle Fälle motiviert. Herzlichen Dank für den Bericht.

Antwort von Torsten

Hallo Alexander,

meine Frau hast sich schon daran gewöhnt, dass ich viel zu Hause bin. Aber ich mache es ihr leicht, indem ich viel Zeit vor dem Computer verbringe und sie so möglichst wenig störe  ;)

Tut gut, in dir Bestätigung zu finden.

Wie so oft danke für deinen Kommentar und Gruß,

Torsten

Kommentar von Bankenmärchen |

Das war ein total inspirierender Post. Vielen Dank dafür. Ganz toll! Ich respektiere deine Entscheidung. Auch ich kämpfe mit solchen Gedanken. Ich habe mich bereits auch zum Teil durchgerungen und versuche mein "eigenes Ding" zu machen. Man muss sich einfach von den verkrusteten Weltbildern frei machen. Es bringt mir nichts, wenn ich im Sterben liege und sagen kann dass ich immer fleißig die Erwartungen der anderen erfüllt habe! Ich muss nur eines... meine eigenen Erwartungen an mich erfüllen! ;-)

Antwort von Torsten

Danke für die vielen netten Worte. Falls dir mein Bericht einen Stupser in die passende Richtung geben konnte, freut mich das sehr. Und solltest du deinen eigenen Weg bestreiten, wünsche ich dir um so mehr viel Erfolg.

Gruß,

Torsten

P.S.: Erst gestern habe ich deinen Blog abonniert :)

Kommentar von Ex-Studentin |

Glückwunsch zu dieser Entscheidung und viel Erfolg bei deinem Projekt!
Wer eine hohe Sparrate hat, kann durchaus auch die Wochenstunden runterfahren. Ob sich dein Projekt rentiert, wirst du rechtzeitig merken. Wie du schon sagst: Stunden erhöhen geht jederzeit. Es ist viel schwerer einen Arbeitgeber zu finden, der bei der Stundenreduktion mitmacht.

Chri von easydividend ist da auch ein gutes Beispiel. Er arbeitet 3 Tage die Woche (bei Bedarf mehr), um seine Seite voran zu bringen.

Antwort von Torsten

Hallo Ex-Studentin,

meine aktuelle Sparquote ist Nicht-Existent. Aber das ist kein Grund, meine Pläne aufzuschieben. Nur um die besagte Teilzeit komme ich nicht herum.

Es wird wahrscheinlich ein paar Monate dauern, bis ich weiß, ob sich das Projekt rechnet. Wäre das Feedback verhalten bis negativ und läge es am Grundkonzept, dann müsste ich relativ früh den Stecker ziehen. Glücklicherweise ist dem nicht so. Allerdings bin ich noch weit vom Break-Even entfernt. Jetzt heißt es die Werbetrommel rühen und auf mich aufmerksam machen. Und das braucht Zeit.

Stunden erhöhen ist nicht so einfach. Natürlich hätte mein jetziger Arbeitgeber nichts dagegen. Aber ich bin ja nur deshalb zu ihm, weil er mir die Teilzeit angeboten hat. Vollzeit hätte ich die andere Stelle bevorzugt, und das habe ich auch so kommuniziert. Natürlich kann es so toll werden, dass ich dort theoretisch auch Vollzeit arbeiten würde. Kann ich jetzt aber noch nicht sagen.

Allgemein macht es einen gewaltigen Unterschied, ob man Teilzeit beim aktuellen Arbeitgeber macht (wie Chri es kann) oder hierfür gekündigt werden muss. Die Kollegen, das gewohnte Arbeitsumfeld, bei mir sogar die Branche, zu verlieren und beruflich ins Ungewisse zu segeln, stellt eine gewisse Belastung dar, die man nicht hat, wenn man weiter beim alten Arbeitgeber bleibt.

Gruß,

Torsten

Kommentar von Armer Charlie |

Vielen Dank für diesen spannenden und sehr persönlichen Beitrag. Nach meiner Einschätzung stehen die Chancen für solche Lebensmodelle in Zukunft gut. Denn der zunehmende Mangel an qualifizierten und leistungsbereiten Fachkräften stärkt die Verhandlungsposition von Arbeitnehmern, die nur Teilzeit arbeiten wollen, um nebenher noch ein privates Projekt zu betreiben oder schlichtweg das Leben zu genießen. Das wäre ein Weg, den ich mir auf längere Sicht auch vorstellen könnte. Ob ich dazu wirklich den Mut aufbringe, weiß ich heute noch nicht. Aber wenn es ernst wird, werde ich einfach diesen motivierenden Artikel wieder heraussuchen.

Antwort von Torsten

Hallo Charlie,

meine Erfahrungen bestätigen deine Einschätzung voll und ganz.

Das Fachkräfte in der IT gesucht werden, war für schon vor meiner Kündigung kein Geheimnis und hat mir Selbstvertrauen verliehen. Die positiven Reaktionen auf mein Teilzeit-Projekt haben mich dann aber doch positiv überrascht. Bei der ersten Vollzeitstelle, die ich abgelehnt habe, hat mich rund eine Woche später ein Vorstand angerufen. Er hatte von meiner Ablehnung und meinem Projekt gehört und wollte mich unbedingt kennen lernen. Auch hat er gesagt, ich Tür stünde jederzeit offen für mich. Solche Erfahrungen bestärken in dem, was man tut.

Dir viel Mut und Erfolg auf deinem Weg. Man liest sich sowieso  :)

Gruß,

Torsten

Kommentar von easydividend |

Hallo Torsten,

Hab deine Überschrift auf finanzblogroll.de gesehen, und da musste ich natürlich sofort gleich herkommen, lesen und dazu kommentieren.
Erstmal Gratulation zu diesem Schritt!

Bei mir war es im August 2016 soweit, dass ich gesagt habe, ich pfeife auf den Vollzeit-Job und arbeite 3 Tage in der Woche weiter. Wenn der Arbeitgeber dies ausgeschlagen hätte, hätte ich wahrscheinlich auch gekündigt.
Aktuell ist es bei mir so, dass ich wieder Vollzeit beschäftigt bin, das ganze aber in 4 Tagen, und begrenzt auf maximal 6 Monate. Danach wird wieder auf Teilzeit reduziert. Ich hoffe, dass ich bis dahin schon wieder mehr Einkommen selbst erzeugen kann (ohne Arbeitgeber)

Wenn alles glatt läuft, verabschiede ich mich vor dem 30ten Geburtstag komplett aus dem Angestelltenverhältnis.

Könnten uns dann mal auf einen Kaffee oder so treffen, um unsere Mädels nicht zu sehr zu nerven ;) Haha.

Mach weiter so!

mfG Chri

Antwort von Torsten

Hi Chris,

Ex-Studentin hat mich schon ein paar Kommentare zuvor vor dir gewarnt  ;)

Ich wusste gar nicht, dass du auch Teilzeit machst. Glückwunsch, dass es bei dir ohne Kündigung vonstatten ging und ich drücke dir die Daumen, dass dir die Sprengung der Kette aus dem Angestelltenverhältnis vor dem 30ten Geburtstag gelingt.

Ich hoffe, dass ich das auch noch schnell genug hin bekomme, damit meine Frau mich nicht im Rollstuhl zu unserem Treffen schieben muss :)

Dann noch mal danke für deine Unterstützung und Gruß!

Torsten

Kommentar von Marielle |

Guten Morgen Torsten,

auch ich bedanke mich für den sehr persönlichen, tollen Beitrag. Ich lese hier immer mal rein, die Menschlichkeit, die Du mit solchen Einblicken in Deine ganz persönlichen Erfahrungen zeigst, ist wirklich super.

Mein Job macht mich derzeit nach wie vor viel Spaß und ich gehe wirklich gerne zur Arbeit. Dennoch ist genau so ein Modell, wie Du es jetzt lebst, bereits seit meinem Jobeinstieg in meinem Kopf. Mein Wunschtraum ist immer, mir bereits jetzt nebenbei etwas aufzubauen und spätestens während einer potentiellen Elternzeit so den Turbo zu zünden, dass ich anschließend guten Gewissens nur noch Teilzeit arbeiten kann.

Ganz ehrlich ginge es wahrscheinlich auch so - aber mein Sicherheitsbedürfnis ist einfach stark ausgeprägt und ich muss noch lernen, überhaupt so zu unseren Projekten zu stehen, wie du! Bisher habe ich meinen Arbeitskollegen nicht von unserem Blog erzählt - dabei bin ich in einem sehr jungen, offenen Team. Die möglichen Reaktionen machen mir Angst - ich will erst die nächsten Schritte schaffen, bevor ich so mutig wie du, stolz davon berichten kann.

Danke für die Inspiration durch Deinen Artikel!

LG
Marielle

Antwort von Torsten

Hallo Marielle,

ist doch super, dass dir deine Arbeit viel Spass bereitet!

Zum eigenen Projekt zu stehen und ihm - wenn es hart auf hart kommt - sogar den Vorzug zu geben, ist etwas, dass ich mir habe abringen müssen. Ich glaube, ein entscheidender Beweggrund hierfür war, dass ich schon über 40 Jahre alt bin. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Ich vermute, dir bleibt deutlich mehr Zeit. Also musst du auch nichts überstürzen. Mit Feigheit hat deine Zurückhaltung meiner Einschätzung nach nichts zu tun. Wichtig ist einfach, dass du - wenn auch mit angezogener Handbremse - weiter dein eigenes Ziel verfolgst und wie von dir beschrieben Gas gibst, wenn die Zeit hierfür gekommen ist.

Lieben Gruß zurück,

Torsten

Kommentar von Daniel |

Wow, vielen Dank für die offenen Worte !

Kenne es nur selbst zu gut, dass man sich immer wieder selbst Druck macht bei eigenen Projekten und Entscheidungen anzweifelt.

Seit ich Bücher von erfolgreichen Personen lese, hilft es mir meine Ängste ein wenig beiseite zu schieben und jeden Tag motiviert zu sein.

Auf meinem Blog habe ich ein paar Rezessionen zu meinen Lieblingsbüchern geschrieben, vielleicht hast du Lust vorbeizuschauen: https://danielbusinessblog.wordpress.com/

Viel Spaß und viel Erfolg bei deinem Projekt !

Daniel

Antwort von Torsten

Hallo Daniel,

einen sehr schönen Blog hast du da.

Ich denke auch, dass die richtigen Bücher einen sehr viel weiter bringen können. Und tatsächlich habe ich vor wenigen Tagen (seit Jahren endlich wieder) ein Buch gekauft, von dem ich mir dies erhoffe (Die 7 Wege zur Effektivität: Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg (Dein Erfolg)).

Auch dir viel Erfolg und Gruß!

Torsten

Kommentar von Finanzrocker |

Hallo Torsten,

echt ein toller und persönlicher Bericht und Glückwunsch zu dem Mut, den Du aufgebracht hast. Aber manchmal muss man einfach den Mut aufbringen um Entscheidungen zu treffen - ob nun bei der Geldanlage, dem Leben oder dem Job. Das ist aber ein längerer Weg, den man nicht mal so eben zwischen Tür und Angel geht.

Ich habe nun auch schon zweimal meinen Job gekündigt ohne etwas neues zu haben, weil ich nicht mehr zufrieden war. Beide Entscheidungen habe ich nie bereut und beim zweiten Mal fiel es mir wesentlich leichter, da ich da ich zu dem Zeitpunkt auch ein finanzielles Polster und ein Projekt hatte.

Und wenn Du für Dein Projekt brennst, fällt es einem noch leichter. Der Aktienfinder ist klasse und ich drücke Dir die Daumen, dass er weiterhin so viele Leute begeistern kann.

Viele Grüße & alles Gute
Daniel

Antwort von Torsten

Hallo Daniel,

gut zu wissen, dass unsere Lebensläufe nun Parallelen aufweisen. ;)

Ich befand mich in der gleichen Situation wie du bei deiner zweiten Kündigung. Das Risiko ist also überschaubar. Umso mehr hätte ich später bereut, untätig geblieben zu sein.

Danke für die netten Worte und Gruß!

Torsten

Kommentar von Nico von Finanzglück |

Moin Torsten,

spannende Geschichte (und auch besten Dank für die Verlinkung). Ziemlich mutig, wie Du hier Dein Ding durchziehst. Da kann ich mir mal eine Scheibe von abschneiden.

Je länger ich über die Geschichte nachdenke, desto mehr sehe ich mich in einer Teilzeit-Beschäftigung. Im Moment habe ich ja eine Art Teilzeit dadurch, dass ich in den vergangenen Jahren abwechselnd ein oder zwei Monate Elternzeit genommen habe. Das ist dann dieses Jahr vorbei - außer Frau Finanzglück ändert hier doch noch ihre Meinung :)

Von daher müsste ich mir für nächstes Jahr eigentlich mal etwas überlegen. Aber da tue ich mir immer noch etwas schwer mit. Es ist unklar, wie sich die Teilzeit in meinem Job gut gestalten lässt. Zwei gediegene Kollegen im Team machen genau das mit 80% Stellen und das Ergebnis ist ernüchternd schlecht. Einer hat jeden Montag frei und der andere einfach sehr viel Urlaub im Jahr. Beide arbeiten trotzdem vom Arbeitspensum weiter wie vorher – nur einfach mit weniger Büropräsenz und 20% weniger Kohle. Beides nicht so prickelnd. Da muss ich erst mal eine saubere Lösung einfallen lassen.

Ich werde Dich auf dem Laufenden halten. Davon mal abgesehen können wir uns gerne mal zum Lunch treffen, wenn Du mal in der Frankfurter City unterwegs sein solltest.

VG, nico

Antwort von Torsten

Hallo Nico,

der Link zur dir hat thematisch sehr gut gepasst und mich unter anderem auch zu meinem Beitrag inspiriert. Insofern habe ich ebenfalls zu danken!

Wie Charlie in einem Vorkommentar bereits geschrieben hat, denke ich auch, dass die Teilzeit im Rahmen einer flexibleren Lebensplanung an Bedeutung zunehmen wird. Mit deiner Firma scheinst du leider etwas Pech zu haben, was die Realisierung betrifft. Wenn du das dennoch durchziehen möchtest, bedarf es wohl klarer Worte mit den Vorgesetzten, damit dir nicht ähnliches wie deinen Kollegen passiert. Da braucht es noch mehr Mut, sein Ding durch zuziehen. Jedenfalls wäre 5-Tages-Stress auf 4 Tage komprimiert absolut kontraproduktiv. Das würde ich auch nicht machen.

So oft bin ich gar nicht in Frankfurt unterwegs. Aber wenn sich was abzeichnet, werde ich mich bei dir melden. Wenn es was neues bzgl. deiner Lebensplanung gibt, schreibe darüber. Wir warten darauf!

Gruß!

Torsten

Kommentar von Ex-Studentin |

Klingt doch nicht so "frei" wie im ersten Moment angenommen. Wäre Gründerzuschuss bei dir noch eine Option?
Hat meinem Vater sehr geholfen als er sich in der Not selbstständig machen musste.

https://www.fuer-gruender.de/wissen/existenzgruendung-planen/selbststaendig-machen/arbeitslosigkeit/

Antwort von Torsten

Hi Ex-Studentin,

danke für den Link. Aber ich ziehe das lieber auf die amerikanische Art und Weise durch, als in irgendwelchen Ämtern zu sitzen und Businesspläne nach Blaupause zu malen.

Abgesehen davon bedeutet eine nicht existente Sparquote nicht, dass man keine Rücklagen hat. ;)

Gruß!

Torsten

Kommentar von lubo |

Teilzeit klingt für einen Vollzeitarbeitenden so schrecklich, weil er meint, nur noch die Hälfte arbeiten und an Gehalt bekommen zu können. Das ist aber falsch in den Köpfen verankert!

Teilzeit kann jeder Mitarbeiter beantragen, wenn
1) die Firma mehr als 15 Mitarbeiter hat
2) das Arbeitsverhältnis länger als 6 Monate beträgt
3) der Antrag drei Monate vorher beim Arbeitgeber vorgelegt wurde

Das sind die rechtlichen Bedingungen, die im § 8 TzBfG verankert sind.

Allerdings bedeutet „Teilzeit“ nicht, wie eingangs beschrieben, sondern dass man seine Wochenstunden auf ein individuelles Maß zurecht stutzen kann. Und das kann man selber bestimmen!

Ich habe zum Beispiel meine Stunden Mo-Do um 1,5 Std jeden Tag reduziert und an die Öffnungszeiten der Kita angepasst. Meine Frau hat es ebenfalls gemacht, so dass einer von uns die Kids hinbringt und der andere dann abholt. Oder umgekehrt. Damit ist man weiterhin flexibel, falls man doch mal Überstunden machen muss. Aber der persönliche Termin- und Stresskalender wurde deutlich verringert!

Das Ganze hat mich 10% Nettogehalt gekostet. Aber die zeitliche Freiheit für die Familie ist unbezahlbar und dadurch eindeutig wertvoller.

Im übrigen kann der Arbeitgeber den Antrag nur sehr schwer ablehnen. Wenn oben genannte Bedingungen erfüllt sind und man keinen systemrelevanten Posten innen hält, gibt es so gut wie keine rechtliche Grundlage für eine Ablehnung. Ein Langstreckenpilot könnte z.B. nicht sagen, er will nur noch 5 Stunden pro Tag arbeiten, wenn der Flug schon alleine 10 Stunden dauert. Oder ein Restaurantkoch, dass er um 16.30 Uhr Feierabend haben möchte, wenn das Restaurant erst um 17 Uhr öffnet. Man muss den Antrag zudem nicht begründen und kann auch ohne Kinder problemlos seine Arbeitszeit in ein entsprechend persönlich erträglicheres Maß umwandeln.

Antwort von Torsten

Hallo Lubo,

danke für die rechtlichen Rahmenbedingungen Info und die Schilderung deiner Erfahrung. Das wird den ein oder anderen Leser sicher interessieren.

Ähnlich positive Erfahrungen mit reduzierter Arbeitszeit habe ich auch von anderen Familienvätern gehört. Die so gewonnene Zeit mit der Familie ist in der Tat unbezahlbar.

Gruß!

Torsten

Kommentar von Julia (Finanzblogleserin ) |

Hallo,
Ich kann @lubo nur zustimmen. Ich habe keine Kinder und habe auf 90% reduziert. So habe ich jeden 2. Freitag frei und genieße das.

Was habe ich mir für einen Kopf gemacht bevor ich den Schritt gewagt habe. Ich dachte Stunden reduzieren kann man nur wenn man Kinder hat oder ähnliches, und dann habe ich mich innerlich auf alle möglichen und unmöglichen Nachfragen von Chef und Kollegen eingestellt. Niemand hat aber merkwürdig reagiert.

Dennoch denke ich: im Gespräch mit dem Chef braucht es innere Entschlossenheit. Das Gefühl: "ja das will ich; und es ist mein gutes Recht. Und wenn das dir/euch nicht passt dann gehe ich."
Ich habe mit Freunden durchgesprochen was alles für Fragen und Bemerkungen kommen könnten und wie ich darauf reagieren kann. Danach fühlte mich gewappnet für das Gespräch mit dem Chef. Und es lief gut.

Toller Artikel übrigens, danke dafür!

LG
Julia

Antwort von Torsten

Hallo Julia,

auch dir danke für deinen Erfahrungsbericht. Die meisten der Vorredner hatten ja wenigstens ein Kind. Dein Beispiel zeigt aber, dass Teilzeit je nach Lebenslage und Motivation auch ohne Kinder sinnvoll und machbar sein kann. Finde ich prima!

Bald wird es warm. Da wirst du deinen freien Freitag sicher noch mehr genießen :)

Gruß,

Torsten

Kommentar von Marko |

Hi Torsten,

obwohl ich nicht der größte Fan von Einzelwerten bin, finde ich den Aktienfinder wirklich interessant. Man kann sehen, wie viel Arbeit du schon in das Projekt gesteckt hast. Dass du dafür einen gut bezahlten Vollzeitjob ausschlägst, finde ich inspirierend!

Solange man seinen Traum lebt, ist nicht die Frage, ob man die Finanzielle Freiheit erreicht, sondern wann. Fortes fortuna adiuvat ;-)

Viele Grüße
Marko

Antwort von Torsten

Hallo Marko,

ich bin ja nicht mehr der Jüngste, und mit dem Versuch der Selbstverwirklichung komme ich vielleicht um die Midlife-Crisis herum. Schön, dass dir der Aktienfinder gefällt. Das Tool kommt allgemein sehr gut an, was mich natürlich wahnsinnig freut. Damit die Finanzielle Freiheit zu erreichen wäre für mich mehr wert als ein Sechser im Lotto - vor allem, weil man es hart erarbeitet ist.

Gruß!

Torsten

P.S.: Vielleicht wird das ja noch was mit den Einzelwerten? ;)