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Finanzkrise - als mein Depot im Minus versank

Finanzkrise: was damals geschah

Auch wenn ich im Spätsommer 2008 schon länger in Aktien investierte, war dieser Zeitpunkt mein richtig „fetter“ Einstieg – gemessen am eingesetzten Kapital. Im Zuge der heraufziehenden Finanzkrise begannen die Kurse bereits zu bröckeln, doch wie tief die Krise die Kurse abstürzen lassen würde, waren weder für Buffet noch mich vorhersehbar.

Befeuert vom Ende der Steuerfreiheit für Aktiengewinne mit Einführung der Abgeltungssteuer 2009, kaufte ich in die fallenden Kurse, die jedoch immer weiter fielen. So ging es bis zum Jahreswechsel, dann war die Liquidität aufgebraucht und das Depot aus steuerlichen Gründen für weitere Käufe dicht.

Das ich mein Pulver verschossen hatte, war der Finanzkrise egal. Die Kurse fielen weiter. Tag um Tag, Woche um Woche, noch gut zwei Monate lang. Im Frühjahr 2009 war mein Depot blutrot. Zum Höhepunkt hatte ich einen Buchverlust von 40.000 Euro, bzw. gut 25 Prozent, innerhalb weniger Monate angehäuft – das tat weh.

Wie genau mein Depot zum 31.03.2009 aussah – nachdem der Dax von fast 6.600 Punkte blitzartig wieder auf rund 8.000 Punkte gestiegen war - sehen Sie hier:

Was tun? Alles verkaufen, bevor es wieder schlimmer würde? Denn schlimmer werden würde es bestimmt. Lehmann war pleite, und „Die große Depression“ der 1930er wurde von den Medien an die Wand gemalt.

Doch noch war das Grundvertrauen in die Aktie als langfristige Anlageform nicht verloren. Und da ich ausschließlich auf solide Unternehmen – so glaubte ich damals jedenfalls - gesetzt hatte, würden diese die Finanzkrise, wie schlimm diese auch mögen werde, überstehen und die Kurse irgendwann wieder steigen.

Was ich damals nicht wusste: börsentechnisch war die Finanzkrise bereits überwunden und ich befand mich im Monat 1 einer mehrjährigen, möglicherweise bis heute, andauernden Hausse.

Und so sieht das blutrote Depot von damals gut sieben Jahre später aus:

Bei einem Einstandswert von ca. 157.000 Euro wurden aus ca. 32.500 Euro Verlust ein (Buch-)Gewinn von ca. 111.000 Euro, wobei hier die Dividenden aus über 7 Jahren nicht eingerechnet sind - eine Ausnahme sind die Stockdividenden bei der Commonwealth Bank und Unilever,  welche die Stückzahl im Depot erhöhten.

Alle Positionen von damals finden sich im aktuellen Depotauszug wieder. Positionen, die ich mittlerweile verkauft habe, habe ich nachträglich in den Auszug eingefügt und sind mit dem Verkaufspreis inklusive Gewinn und Verlust versehen.

Lessons learned

Durch das Auf und Ab an der Börse wird uns das, was mir passiert ist, mit ziemlicher Sicherheit erneut passieren. Deshalb mag es hilfreich sein, zu versuchen, aus den gemachten Erfahrungen Nutzen für künftige Krisen zu ziehen. Was lief gut, was lief schlecht?

Was gut lief

Ruhe bewahrt

Dies hat mich während der Finanzkrise vor Panikverkäufen zu Tiefstkursen gerettet. Die Ruhe bewahren konnte ich, weil ich mich bereits mit Aktien beschäftigt hatte, und das Auf und Ab der Märkte zu einem gewissen Grad schon kannte. Außerdem war ich felsenfest davon überzeugt, nur Aktien gekauft zu haben, die die Krise überstehen und langfristig wieder steigen werden.

In dieser Überzeugung gestärkt wurde ich vom Stuttgarter Aktienbrief, einem Börsenbrief, der alle zwei Wochen ins Haus geflattert kam und für seinen bedingungslosen Daueroptimismus berühmt berüchtigt ist ("Jeder Tag ist Kauftag!"). Ein Verdienst des Blättchens war auf jeden Fall der psychologische Balsam, der mir mit jeder Ausgabe verabreicht wurde. 

Gewinne laufen lassen

Als das Depot immer weiter ins Plus wanderte, habe ich die Gewinne nicht realisiert, sondern laufen lassen. Verkauft habe ich nur aus steuerlichen Gründen oder wenn ich den langfristigen Glauben an das Unternehmen verlor. Über die Jahre stieg die Dividende und liegt die persönliche Dividendenrendite des Depots heute bei über 8 Prozent.

Was schlecht lief

Die Kehrseite meiner felsenfesten Überzeugung, nur die tollsten Aktien gekauft zu haben, führte dazu, dass ich einige der Aktien, die sich als „Nicht-Wachstumswerte“ entpuppten, später – und damit zu tieferen Kursen – verkaufte, als es notwendig gewesen wäre. Esprit ist wohl der krasseste Fall.

Andere Werte habe ich auf Empfehlung verkauft, z.B. Wolters Kluwer, und irgendwann zog die Aktie dann an.

Meine damaligen Käufe und Verkäufe waren von dem Empfehlungen des Stuttgarter Aktienbriefs geprägt. Wie man sieht, hätte es mich durchaus schlimmer treffen können. Heute basiert meine Kaufentscheidung hauptsächlich auf dem Wachstumsfinder und anschließender Detailrecherche zu den ausgesuchten Werten.

Fazit

Das Setzen auf Qualität, die notwendige Ruhe und damit verbunden viel, viel Geduld zahlen sich am Aktienmarkt aus. Dass sich nicht alle Aktien wie gewünscht entwickeln, ist nicht zu vermeiden, wird aber durch eine ausreichende Diversifizierung mehr als kompensiert. Auch sieht man an dem Beispiel, wie „erschreckend“ einfach es ist, langfristig eine gute Rendite am Aktienmarkt zu erzielen, ohne den Super-Treffer zu landen, den Markt zu "Timen", technische Analyse zu betreiben oder andere fortgeschrittene Techniken einzusetzen.

Auch kann es hilfreich sein, in schweren Zeiten eine psychologische Stütze zu haben. Dies kann ein Börsenbrief, ein Blog oder der Austausch in einem Forum mit Gleichgesinnten sein.

Was sich ebenfalls bewahrheitete, was das Sprüchlein: "Kaufen, wenn die Kanonen donnern". Zwar wurde auch nach meinen Käufen noch kräftig weiter geschossen; doch kaum war der letzte Schuss verhallt, zog auch schon die Rally an.

Wie mein Altdepot heute steht, sehen Sie übrigens hier.

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Kommentar von Alexxx |

Schöner Beitrag.

Und wie kaufst du heute bzw. jetzt? Oder wartest du wieder bis alles abstürzt?

Antwort von Torsten

Hallo Alexxx,

freut mich, dass dich der Artikel nicht gelangweilt hat :)

Ich kaufe seit 2009 in ein zweites Depot. Immer mal wieder, wenn mir Kapital zur Verfügung steht. Ist ja auch nicht so, dass ich absichtlich auf die Finanzkrise gewartet hätte, um groß einzusteigen. Auslöser war vielmehr der baldige Wegfall steuerfreier Gewinne. Heute muss ich eben teurer einkaufen als damals. Ich sehe es wie eine Art Cost-Average, auch wenn etwas unregelmäßiger als nach dem Lehrbuch.

Gruß!

Torsten

Kommentar von Alexander |

Hallo Torsten,

die Lektion hatte ich am Neuen Markt schon hinter mir. Bei der Lehmannkrise war ich schon etwas gelassener. Erst 60 % minus, im nächsten Jahr 170 % ! rauf. Da kann man schon mal die Hosen runterlassen. Ich hoffe, die nächste Krise noch gelassener anzugehen. Jedenfalls ist es "schön", dass noch mehr Investierte diese Erfahrung machen konnten und man nicht alleine ist.

Grüße
Alexander

Antwort von Torsten

Hi Alexander,

den Nemax habe ich als Student lediglich als stiller Beobachter von der Außenlinie verfolgt.

Ja, solange der Dividendenstrom fließt und man nichts verkaufen muss, kann man Kurseinbrüchen recht gelassen entgegen sehen.

Gruß!

Torsten

Kommentar von Alexxx |

Ach ja...
...hast du das mal gegen einen ETF World gerechnet, wenn du ebenfalls zu diesen Zeitpunkten gekauft hättest?
Wie hoch war jetzt die Rendite genau p.a. mit den ganzen Verkäufen?

Antwort von Torsten

Hi Alexxx,

die jährliche Rendite müsste ich irgendwann mal mit dem internen Zinsfuß ausrechnen - mit den ganzen Dividendenzahlungen kommt da einiges zusammen. Habe ich bisher nicht gemacht, weil ich es nicht als anlagerelevant empfand. Aber ich verstehe deine Intention, wenn es dir darum geht zu erfahren, ob ein Einzelinvestment in Aktien dem ETF vorzuziehen ist.

Wenn ich das irgendwann mal ausrechnen sollte, ist das ein eigener Blogartikel wert.

Gruß,

Torsten

Kommentar von Alexxx |

Habe mal das kurz versucht zu berechnen:
Depot 2009
31.03.09 -117004,03
30.09.16 188128,19
XINTZINSFUSS 6,53%

MSCI World Kursindex
http://www.onvista.de/index/chart/MSCI-WORLD-Index-3194141
31.03.09 -605,81
30.09.16 1306,85
XINTZINSFUSS 10,78%

Kann das hinkommen? Alles ohne Dividende.
Und das ist genau, das was mich wahrscheinlich mittel bis langfristig vom Einzelaktienkauf abhalten wird.

Gruß

Antwort von Torsten

Hi Alexxx,

so einfach ist das mit der Performanceberechnung leider nicht.

Ich habe im Laufe der 7 Jahre einen Teil des Depots verkauft. Dieser Teil erzielt bei dir für die Restlaufzeit keine Rendite mehr. Z.B. habe ich diesen SSGA Index vor 3 Jahren verkauft und dann SAP und MSFT von gekauft, die heute beide ca. 40 % im Plus sind. Das fehlt in deiner Berechnung genauso wie Verkäufe, die ich nicht mehr reinvestierte. Hier sinkt das eingesetzte Kapital dann einfach. Auch das muss bei der Berechnung der erzielten Rendite berücksichtigt werden.

Das Weglassen der Dividende wirkt sich ebenfalls nachteilig aus, da ich damals noch anders tickte und Papiere mit hoher Dividendenrendite bevorzugt habe.

Gruß!

Kommentar von Alexxx |

Ja die Frage ist, ob durch deine Handlungen die Performance >4% war.
Ich schätze ein, dass sie es nicht ist oder wie schätzt du das ein?

Antwort von Torsten

Genau sagen kann ich es erst, wenn ich das mal ausrechnen würde, was aber ziemlich aufwendig ist.

Aber wenn du von 117.000 Euro eingesetztem Kapital zum 31.03.2009 über die Jahre für 94.000 Euro verkaufst und dann die Rendite mit einem ETF vergleichst, der die 117.000 über den ganzen Zeitraum anlegt, dann muss ich wesentlich schlechter abschneiden. Vom Gefühl her würde ich sagen, dass es sich nicht viel geben wird. Die ETF-Gebühren von ca. 0,2-0,5 Prozent pro Jahr müsste man bei einem Vergleich dann auch berücksichtigen, da diese über den Transaktionskosten beim Einzelkauf und Verkauf von Aktien liegen.

Aber lass uns das Wesentliche des Artikels nicht aus den Augen verlieren: denn obwohl weder mein Einstiegszeitpunkt optimal war noch das Depot im Nachhinein besonders gut bestückt, wurde mit der Anlage in Aktien eine Rendite erzielt, die alternative Anlageformen als aussehen lässt. Das hätte natürlich auch mit ETF funktioniert.

Gruß!

Kommentar von Ben Sisko |

Und mit wie viel Transaktionskosten bewertest du deine Zeit, die du für die jeweiligen Anlageentscheidungen aufgewendet hast? ;-)

Antwort von Torsten

Mit exakt 0 Euro und 0 Cent.  :)

Wenn man sich gerne mit Aktien beschäftigt, ist es eine Art Hobby. Da setzte ich dann keine Opportunitätskosten an. Sehe ich mit meiner Webseite übrigens genauso. Wenn ich die weit über 1000 Stunden, die ich hier reingesteckt habe, mit meinem Stundensatz multiplizieren würde, dann käme ein hübsches Sümmchen bei raus.

Wer aber das Leben so durchmonetarisiert, der hat bestimmt wenig Spaß daran.

Gruß!