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Ihre zwei wichtigsten Kennzahlen

Als Buy-And-Hold Investor wollen Sie langfristig gute Gewinne erzielen. Gewinne in Form steigender Kurse und steigender Dividenden. Damit sich ihr Vorhaben erfüllt, müssen als Grundvoraussetzung langfristig steigende Unternehmensgewinne gegeben sein, denn steigende Gewinne führen langfristig immer zu steigenden Kursen und bei ausschüttenden Unternehmen zu steigenden Dividenden.

So banal dieser Zusammenhang ist, lassen sich hieraus zwei Kennzahlen ableiten, die als Paar eine weit höhere Aussagekraft besitzen als die aus dem Value-Investing stammenden Kennzahlen, die Ihnen für gewöhnlich über den Weg laufen. Es sind dies:

  • Die Steigerungsrate des Gewinns
  • Die Korrelation (Gleichmäßigkeit) der Gewinnentwicklung

Diese beiden Kennzahlen sind hervorragend geeignet, um Wachstumsunternehmen zu identifizieren.

Warum klassiche Kennzahlen in die Irre führen

Sie sehen die langfristige Gewinnentwicklung von zwei Unternehmen.

Unternehmen A:

Unternehmen B:

Unternehmen A hat im gegebenen Zeitraum den Gewinn von knapp 2,50 $ auf über 8,00 $  gesteigert. Unternehmen B mit einigem Auf und Ab im selben Zeitraum von 2 $ auf 3 $.

Von welchem der beiden Unternehmen wären Sie lieber Aktionär? Ich vermute, Sie wählen Unternehmen A. Auch ich würde mich so entscheiden. In der Praxis jedoch entscheiden sich viele Aktionäre für Unternehmen B.

Warum? Weil die Aktie von Unternehmen B entsprechend des KGVs „billig“ erscheint und zudem mit einer deutlich höheren Dividendenrendite glänzt. Machen Sie sich bewusst, dass ein niedriges KGV als Misstrauensvotum des Marktes bezüglich der Entwicklunsperspektive eines Unternehmens zu verstehen ist und die hohe Dividendenrendite der Preis, den ein solches Unternehmen seinen Aktionären bezahlen muss.

Die Fehlentscheidung zugunsten Unternehmen B wird langfristig auf Kosten ihrer Depotperformance gehen.

Hinter Unternehmen A verbirgt sich 3M, hinter Unternehmen B verbirgt sich AT&T. 3M hat aktuell ein KGV von über 23,5, AT&T von knapp 20. 3M hat eine aktuelle Dividendenrendite von knapp 2,6%, AT&T von 4,9%. Diese Kennzahlen, einfach angewendet, sprechen also für AT&T.

Aber: 3M hat seit Januar 2002 den Kurs um 234% gesteigert. AT&T hingegen lediglich um 11%. Die mehr als Verdreifachung des Kurses bei 3M entspricht in etwa der mehr als Verdreifachung des Gewinns von knapp 2,50 $ auf etwas über 8,00 $. Ähnliches gilt für AT&T, wo der Gewinn von rund 1,70 $ auf leicht über 2 $ gestiegen ist (Hinweis: der aktuelle Gewinn entspricht der Spalte TTM, nicht der Spalte ganz rechts, die für die Analystenschätzungen des nächsten Geschäftsjahres steht).

Klassischen Kennzahlen wie KGV und aktuelle Dividendenrendite sind Schnappschüsse des Status Quo und senden Fehlsignale, die zur Wahl der langfristig schlechteren Aktie führen können. Benötigt werden deshalb Kennzahlen, welche die langfristige Unternehmensentwicklung wiederspiegeln. Genauer: die langfristige Entwicklung des Unternehmensgewinns. Denn es ist ja der Gewinn, der den langfristigen Verlauf des Kurses und der Dividende bestimmt.

Das Zusammenspiel von Steigerungsrate und Korrelation

Steigerungsrate

Die Steigerungsrate, oder auch Compound Annual Growth Rate (kurz: CAGR), ist in der Finanzwelt eine bekannte Größe. Hiermit kann die jährliche Gewinnsteigerung für einen definierten Zeitraum berechnet werden, beispielsweise die Gewinnsteigerung über einen Zeitraum von 10 Jahren.

Dies allein ist aber nicht ausreichend. Denn die Steigerungsrate berechnet sich ausschließlich unter der Verwendung von Anfangs- und Endwert. Schwankt der Unternehmensgewinn von Jahr zu Jahr, so verliert die Steigerungsrate ihre Aussagekraft und kann sogar in die Irre führen, wie im folgenden Beispiel für AT&T zu sehen:

Es wird zwei Mal die Steigerungsrate des Gewinns über 5 Jahre berechnet. Von 2010 – 2015 haben wir einen Rückgang von jährlich im Schnitt 6,7%. Katastrophal!

Im nächsten Abschnitt von 2011 – 2016 haben wir dagegen eine Steigerungsrate von 23,8%. Phantastisch!

Die Steigerungsrate allein ist bei schwankenden Gewinnen also nicht aussagekräftig. Es bedarf einer weiteren Kennzahl, die bestimmt, ob man sich auf die Steigerungsrate weitestgehend verlassen kann.

Korrelation

Die Korrelation sagt uns, wie konstant sich der Gewinn im Zeitverlauf entwickelt hat. Dabei reicht die Spanne von +1 bis -1. Eine 1 ist als wie eine am Lineal gezogene Linie zu verstehen. Führt die Linie nach oben (steigt also der Gewinn), ist die 1 positiv, andernfalls negativ. Eine 0 würde heißen, dass es keinen eindeutigen Trend gibt. Stellen Sie sich hier z.B. eine Sinuskurve (Welle) vor.

3M hat eine Gewinnkorrelation von +0.97. AT&T hingegen kommt auf einen Wert von +0.09.  Das heißt, dass es das Unternehmen im Zeitverlauf nicht geschafft hat, den Gewinn konstant zu erhöhen.

Nur wenn die Korrelation einen hohen Wert annimmt, kann man guten Gewissens mit der Steigerungsrate arbeiten. Dabei kann der hohe Korrelationswert (ebenso wie die Steigerungsraten) sowohl positiv als auch negativ sein.

Wachstumswerte

Wie Sie sicher wissen, werbe ich für Investments in Wachstumswerte. Dabei definieren sich Wachstumswerte durch eine konstante Steigerung des Gewinns über Jahre hinaus – in anderen Worten: über eine hohe positive Korrelation. Konkret muss ein Wachstumswert eine Korrelation von mindestens +0,8 aufweisen, um eine Auszeichnung als Wachstumswert zu erhalten. Je nach Auszeichnung wird sogar eine Wert von +0.9 vorausgesetzt.

Die Korrelation sagt aber nur aus, wie gerade „der Strich“ ist und ob der Strich nach oben oder nach unten verläuft. Die Korrelation sagt nichts über die Steigung des Striches aus. Dafür wiederum wird die Steigerungsrate herangezogen. Ein Wachstumswert definiert sich deshalb nicht allein durch eine kontant positive Entwicklung, die für sich allein genommen auch durch einen zwar konstanten, aber sehr schwach steigenden Gewinn erreicht werden könnte. Konkret werden je nach Auszeichnung Steigerungsraten von 5% oder 10% voraus gesetzt.

Der Aktienfinder...

Der Aktienfinder beherrscht das Zusammenspiel von Korrelation und Steigerungsrate. Hier finden Sie Steigerungraten, Korrelationen und drei unterschiedliche Arten von Auszeichnungen, welche Steigerungsraten und Korrelationen, sowohl von Gewinn als auch Dividende, verarbeiten.

Angezeigt werden im Aktienfinder aber auch die kritisierten Kennzahlen wie KGV und aktuelle Dividendenrendite. Teils, weil dies Standard ist, und das Weglassen im ersten Moment negativ aufgefasst werden würde. Dies gilt insbesondere für das KGV. Teils aber auch, weil diese Kennzahlen zwar als Kaufkriterium zwischen unterschiedlichen Aktien schlecht geeignet sind, jedoch ihre Berechtigung haben können, wenn es um die Frage geht, ob eine einzelne Aktie zur eigenen Strategie passt. So könnte ein Pflichtkriterium für den Kauf einer Aktie lauten, dass die Aktie eine aktuelle Dividendenrendite von mindestens zwei Prozent aufweisen muss.

Zudem liefert Ihnen der Aktienfinder mit Hilfe der Charts ein genaues Bild über die langfristige Entwicklung eines Unternehmens. Sie können sich so rasch ihr eigenes Urteil über eine Aktie bilden und eventuelle Unschärfen, die jeder Ansatz mit sich bringt, selbst interpretieren.

Übrigens: das historische KGV im Chart beantwortet die Frage, wie "teuer" der gerade ausgewählte Wachstumswert im historischen Kontext ist. Falls der Markt die Kurse beispielsweise sehr hoch getrieben hat, stellen Sie den Kauf möglicherweise zurück.

...und andere Aktienscreener

Andere Aktienscreener beschränken sich auf die klassischen Kennzahlen wie KGV, KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) und so weiter. Wer auf Basis dieser Schnappschuss-Kennzahlen eine Buy-And-Hold-Kaufentscheidung trifft, läuft Gefahr, wegen falscher Signale, wie beispielsweise einer hohen Dividendenrendite oder einem niedrigen KGV, die falsche Wahl zu treffen.

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Kommentar von Axel |

Sehr interessanter Artikel!

Das Beispiel 3M und AT&T zeigt aus meiner Sicht wunderbar, dass High Level Screens nicht die eigentliche Aktienanalyse ersetzen können, sondern nur der Ausgangspunkt einer tiefergehenden Analyse sein können.

Beste Grüße,
Axel

Kommentar von Peter |

Hallo,
Ich finde den Aktienfinder sehr gut und bin auch mittlerweile zahlender Kunde. Was mich interessieren würde, wäre eine ähnliche Funktion wie bei Fastgraph das fair value.
Planst du so etwas in Zukunft?

Grüße,
Peter

Antwort von Torsten

Hallo Peter,

da ich Fastgraph noch nicht kenne, kann ich wenig über deren Funktionen sagen. Allerdings habe ich keine Pläne für eine Berechnung des Fair Value.

Zum einen, weil es in der Wachstumsstrategie, die dem Aktienfinder zugrunde liegt, um Quality Investing geht. Die Aufgabe des Aktienfinders ist, dem Benutzer eine Basisliste mit qualitativ möglichst hochwertigen Unternehmen mit möglichst wenig Aufwand zu erstellen. Der Fair Value gehört meines Erachtens in den Bereich des Value Investing. Da geht es vor allem um den fairen Wert des Unternehmens. Es sind beim Value Investing also nicht nur Wachstumswerte interessant. Auch ist Value Investing kein Buy-And-Hold, da i.d.R. verkauft wird, wenn der faire Wert erreicht ist.

Das war die philosophische Antwort. Die funktionale Antwort lautet, dass ich für die Berechnung des Fair Value mit bereinigten Zahlen arbeiten müsste. Die Gewinne müssten z.B. um nicht wiederkehrende Einflüsse bereinigt werden, etc. So etwas ist immer auch Ermessensenscheidung und die Aufgabe eines Analysten, der auch enstprechend begründen sollte. Für die Ermittlung eines Wachstumswerts ist die Bereinigung nicht erforderlich (von Anpassungen bei Kapitalmaßnahmen abgesehen), weil es unwahrscheinlich ist, dass eine Bereinigung über die Jahre hinweg aus einem guten Unternehmen ein schlechtes Unternehmen macht und umgekehrt. Für die Berechnung des fairen Wertes können Abweichungen von z.B. 5% aber schon eine Rolle spielen. Ich weiß, dass viele "Value Investoren" darauf pfeifen. Aber wenn ich was mache, will ich versuchen, es richtig zu machen. Die Fehler kommen von alleine ;)

Du bist diese Woche übrigens schon das zweite Mitglied, dass Fastgraph erwähnt. Ich werde mir beizeiten mal ein Video davon anschauen. Vielleicht ist etwas inspirierendes dabei.

Gruß zurück,

Torsten