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Sind Sie ein Dividendenjunkie?

Die Symptome sind vielfältig. In Facebook offenbaren sich betroffene Anleger durch Kommentare, wie „Über 5% Rendite, wie geil!!!“ oder „Bis wann muss ich kaufen, um noch Dividende zu kassieren?“.

Das böse Erwachsen folgt irgendwann später bei einem nüchternen Blick auf das Depot. Hier zeigt sich, welchen Preis übermäßiger Dividendenkonsum nach sich zieht: schwindende Performance.

Wie sich Aktienperformance zusammen setzt

Das Grundübel liegt in einer falschen Vorstellung darüber, wie sich die Performance von Aktien zusammen setzt. Dividenden machen im Vergleich zu Kurssteigerungen nämlich nur den weit geringeren Anteil aus. Wer im Sinne von „nur bares ist wahres“ auf die Dividenden schielt und Kursgewinne als flüchtige Preisausschläge nach Marktlaune interpretiert, dem ist bisher entgangen, dass die Börse eine Kurs-Einbahnstraße ist. Zumindest langfristig betrachtet.

Die Bedeutung von Kursgewinnen und Dividenden an der Gesamtperformance kann man am Beispiel des SnP 500 sehen, wenn man die Entwicklung des SnP 500 Performance-Index mit dem SnP 500 Total Net Return Index vergleicht. Zur Erklärung. Der SnP 500 Performance-Index ist ein reiner Kursindex ohne Berücksichtigung von Dividenden. Der SnP 500 Total Net Return Index berücksichtigt Dividenden durch sofortige Reinvestierung nach Abzug von Steuern.

Quelle: https://markets.ft.com/data/indices/tearsheet/charts?s=SPXNTR:IOM

Es wird ersichtlich, dass Kursgewinne für den weitaus größten Teil der Wertsteigerung verantwortlich sind.

Eine Fixierung auf Dividenden blendet jedoch die Bedeutung von Kursgewinnen aus. Spielt die aktuelle Dividendenrendite bei der Aktienauswahl eine wesentliche Rolle, werden die Aktien mit den schlechtesten Aussichten auf Kursgewinne bevorzugt ins eigene Depot geholt. Da sich schlechte Depotperformance erst langfristig bemerkbar macht, ist dieses Fehlverhalten nicht offensichtlich.

Im Gegenteil, denn in einem solchen Depot machen Dividenden einen deutlich größeren Anteil an der Gesamtperformance aus als im Marktdurchschnitt. Sie fühlen sich bestätigt. Kursgewinne scheinen Glückssache zu sein, Dividenden hingegen das einzig Wahre. Doch auch Dividenden wollen Teil einer Erfolgsstory sein und verspüren ebenso wie die Kurse den Drang zu steigen. Ersparen Sie ihren Dividenden ein unwürdiges Dasein als Schmerzensgeld.

Kurs Richtung Kursgewinn

Der Fokus muss also weg von der Dividende hin auf die Kurssteigerung gerichtet werden.

Kurssteigerungen haben ihren Ursprung stets in wachsenden Unternehmensgewinnen. Andere Einflüsse, wie allgemeine Marktschwankungen oder Übernahmen, sind lediglich temporär.

Leider sind die zukünftigen Unternehmensgewinne nicht bekannt. Eine Methode, damit umzugehen, ist auf Unternehmen zu setzen, die bereits bewiesen haben, dass sie den Gewinn zu steigern langfristig in der Lage sind. Als treuer Leser erkennen Sie sofort die Wachstumswerte wieder und kommt Ihnen der Aktienfinder in den Sinn. Allen anderen möchte ich den Artikel "Ihre zwei wichtigsten Kennzahlen" empfehlen. Hier wird darauf eingegangen, wie Wachstumswerte zu finden sind.

Fazit

Sollten Sie ein „Dividendenjunkie“ sein, machen Sie sich frei von der Vorstellung, dass langfristige Kursgewinne ein Produkt des Zufalls sind. Erkennen Sie die Bedeutung von Kursgewinnen an und richten Sie ihre Aktienstrategie entsprechend aus. Der Aktienfinder kann Ihnen hierbei behilflich sein.

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Kommentar von S.H. |

Hi,
Angesicht dessen das ein Großteil nicht ausbezahlt und dann noch eine Gewichtung hinzukommt in der Amazon, Facebook, Alphabet, Berkshire etc vorne dabei sind, ist diese Darstellung etwas Milchmädchenhaft. Trotzdem interessanter Blick.

Antwort von Torsten

Hallo,

ich mache keine Milchmädchenrechnungen. Wenn, dann sind sie höchstens falsch ;)

Das Einbeziehen Nicht-Ausschüttender Unternehmen hat zwei Aspekte:

1) Benchmark-Aspekt

Der geneigte Dividendeninvestor könnte alle Nicht-Ausschütter herausrechnen. Dadurch würden zwei Dinge passieren:

a) Das Gewicht der Dividende gegenüber Kursgewinnen an der Gesamtperformance würde höher
b) Die Gesamtperformance des Benchmarks würde sinken

Im Prinzip würde man sich eine Parallelwelt aufbauen, die dem eigenen Depot - inklusive Underperformance - näher käme.

2) Gewichtungs-Aspekt Dividende/Kursgewinne

Hiermit haben Sie meines Erachtens ein Problem. Sie zweifeln die Aussage, dass man Ausschütter und Nicht-Ausschütter in einen Topf werfen und dann eine aggregierte Aussage bezüglich Gewichtung zwischen Dividende und Kursgewinnen treffen kann, an. Kann ich nachvollziehen. Ursprünglich wollte ich zu dem Punkt sogar was schreiben. Das hole ich jetzt nach.

Zunächst einmal darf ich die Ausage richtig stellen, dass ein Großteil nicht ausbezahlt. Bzgl. Snp 500 gehe ich davon aus, dass weniger als 100 Unternehmen von 500 nicht ausschütten. Hier kommt man auf eine Liste von 77 Nicht-Ausschüttern:

http://www.dividend.com/investor-resources/sp-500-companies-that-dont-pay-dividends/

Die eigentliche Frage aber lautet: Wenn man sich die Performance ausschließlich von Ausschüttern anschaut. Spielt die Dividende dann plötzlich eine viele höhere Rolle?

Meine Antwort lautet: Kommt drauf an. Kommt drauf an, ob man sich die Low-Performer anschaut, z.B. AT&T. Da spielt die Dividende eine große Rolle an der niedrigen Gesamtperformance. Wenn man sich aber die gut laufenden Ausschütter anschaut, z.B. Danaher oder 3M, dann spielt die Dividende an der Gesamtperformance eine deutlich kleinere Rolle. Und genau das sind die Unternehmen, die Sie langfristig glücklich machen.

Ich habe eine Auswertung bzgl. durchschnittlich erzielter Jahresperformance u.a. der Dividendenaristokraten gemacht (knapp 80 Unternehmen) über die letzten 16 Jahre. Von über 12% Performance stammten 1,5% von der Dividende. Allerdings habe ich hier keine Wiederanlage der Dividende eingerechnet, was die Realität in deutschen Kleindepots wahrscheinlich eher wiederspiegelt als die Annahme sofortiger Wideranlage im SnP 500 Total Net Return Index.

Gruß!

Torsten

Kommentar von Thomas |

Hallo,

guter Artikel. Aber gerade für die Langfristanlage bringt die Dividende dann doch mehr als hier dargestellt.

Der geneigte Leser möge den Vergleich mal bis ins Jahr 2000 zurück führen. Dann wird ersichtlich welche Auswirkung die 2 Börsenkrisen auf die Gesamtentwicklung gehabt haben. Effekt: Der Dividendenanteil liegt dann bei einem Drittel der Gesamtperformance, ist also weit größer als oben dargestellt.

Weiteres darf auch nicht vergessen werden: Was will ich als Anleger? Wenn ich mit laufenden Einkünften planen möchte, macht die Berücksichtigung der Dividende iVm. Dividendenwachstum durchaus Sinn.

Bin ich mehr auf Kurszuwächse aus weil es mir "nur" um Vermögenszuwachs geht, bin ich voll bei dir, dann sollte die Aktienauswahl z.B. mit deinem Aktienfinder gezielt auf Wachstumswerte erfolgen. Muss aber zugleich "genug Eier in der Hose" haben um in Börsenkrisen sowas dann aussitzen zu können.

Antwort von Torsten

Hallo,

sehr schön! Habe mich gefragt, ob den längeren Zeitraumverlgeich jemand macht und sich dann meldet.

Mit fortschreitender Laufzeit wird der Effekt der Dividenden durch die angenommene sofortige Wiederanlage immer größer. Krisen können diesen Effekt vergrößern, wenn z.B. Aristokraten weiterhin ausschütten und man durch den Cost-Average-Effekt dann mehr Stücke für die Wiederanlage bekommt.

Würde man die sofortige Wiederanlage jedoch herausrechnen, sähe das Ergebnis anders aus. Jedenfalls zeigt dies, wie wichtig die Wiederlanlage der Dividende - gerade bei guten Werten - ist. Jetzt darf sich jeder Leser fragen, ob er die Dividenden von 3M und Co sofort in neue Stücke re-investiert oder nicht.

Noch wichtiger aber: der zusätzliche Performancegewinn durch Wiederanlage wird in erster Linie NICHT durch die zusätzlichen Dividenden generiert, sondern durch den zusätzlichen Kursgewinn der wieder angelegten Stücke.

Das betont noch einmal, wie wichtig es ist, sich Unternehmen auszusuchen, die ihre Gewinne konstant erhöhen und folglich nicht nur die Dividenden weiter anheben, sondern auch steigende Kurse erfahren.

Laufende Einkünfte hat man mit Aktien immer. Die meisten Unternehmen schütten ja aus. Problematisch sind nur sofort hohe laufende Einkünfte (sprich: Hohe aktuelle Dividenendrendite) auf Kosten der langfristigen Performance.

Gruß zurück,

Torsten

P.S.: Ich habe die Beschreibung der Grafik um die Beschreibung der Kursgewinne durch reinvestierten Stücke ergänzt, damit dieser Effekt deutlicher ins Auge fällt.

Kommentar von Couponschneider |

Ich denke, da liegt ein Denkfehler vor. Selbstverständlich ist es falsch, nur auf Dividenden zu schielen, aber die ganze Betrachtung zeugt von einem Entweder-Oder, das es so nicht gibt.

1. Geht denn die Dividendenzahlung immer zu Lasten des Kurswachstum? Der Dividendenabschlag ist schnell wieder aufgeholt. Der Dividendenabschlag ist Börsenarithmetik und vermindert nicht den inneren Wert des Unternehmens. Ein Unternehmen ist doch keine Geldbewahrungsanstalt. Dividendenzahler wachsen auch.

2. Das Reinvestment im Unternehmen ist auch nicht immer so rosig. Mir ist es lieber, wenn ein Management nicht jeden Unsinn macht, nicht jede Fusion anstrebt und nicht jeden Markt erschließen will. Dem Unternehmenswachstum sind natürliche Grenzen gesetzt. Ein Unternehmen wie General Mills ist vor allem auf dem US-Markt präsent und wächst vor allem, weil auch die Bevölkerung wächst. Die Verbrauchergewohnheiten ändern sich nicht von heute auf morgen. Warum also soll das Unternehmen aggressiver als vorher um neue Kunden werben? Besser ist es: a) Konzentration, b) Qualität verbessern, c) Einkaufspreise senken und d) die Stammkunden auf keinen Fall verprellen. Letzteres passierte ja leider oft bei manchen Unternehmen in der Vergangenheit. Als BC-50-Inhaber (im Abo seit 18 Jahren, ich bin Stammkunde) fühle ich mich verarscht wegen der vielen Sparpreise und Gruppentickets, weshalb ich die BC abbestellt habe. Nur so als Beispiel.

3. Den Referenzpunkt auf das Jahr 2009 zu setzen, ist willkürlich und leider ein methodischer Fehler, weil die Kurs dort besonders niedrig waren und enormes Aufholpotential hatten. Dividendenzahlung sind mit der Krise nicht derartig stark gefallen, wie es die Kurse taten.

4. Ich möchte laufende Einnahmen haben und ich reinvestiere das Geld. Ich kann frei entscheiden; dann finanziert hat die Pharmadividende den Apple-Kauf ein wenig mit. Psychologisch finde ich es sehr wichtig, dass ich mittlerweile in jedem Monat mehrere Dividendenzahlungen habe.

5. Ich sehe die Dividendenzahlungen als Ausweis der Potenz des Unternehmens. Ich renne nicht 6-Prozent-Dividenden hinterher, aber 3 % dürfen es gerne schon sein.

Antwort von Torsten

Hallo,

danke für den ausführlichen Kommentar. Ich gehe gerne auf deine Punkte ein.

1) "Geht denn die Dividendenzahlung immer zu Lasten des Kurswachstum? Der Dividendenabschlag ist schnell wieder aufgeholt. Der Dividendenabschlag ist Börsenarithmetik und vermindert nicht den inneren Wert des Unternehmens. Ein Unternehmen ist doch keine Geldbewahrungsanstalt. Dividendenzahler wachsen auch."

Es geht hier nicht um Kursgewinn oder Dividende. Beides gleichzeitig ist möglich und sollte der angestrebte Normalfall im Depot sein. Die Auszeichnungen "Dividendenbunker" und "Dividendensprinter" im Aktienfinder berücksichtigen deshalb sowohl das Wachstum der Dividende als auch die Gleichmäßigkeit einer positiven Gewinnsteigerung. DAs Ziel ist dann, nachhaltige Ausschütter zu finden.

Davon abgesehen vermindert die Dividende schon den Inneren Wert. Das ausgeschüttete Geld ist schließlich weg. Aber wie du selbst schreibst, wird ein profitabel wachsendes Unternehmen den ausgeschütteten Betrag in Form neuer Gewinne schnell wieder reinholen.

2) "Das Reinvestment im Unternehmen ist auch nicht immer so rosig. Mir ist es lieber, wenn ein Management nicht jeden Unsinn macht, nicht jede Fusion anstrebt und nicht jeden Markt erschließen will..."

Das ein Reinvestment in das gleiche Unternehmen nicht immer optimal, stimmt. Allerdings ist ein automatisches Reinvestment in das gleiche Unternehmen immer besser als überhaupt kein Reinvestment - genau dies sieht man an der Entwicklung des SnP 500 Total Net Return. Das wir es noch besser machen können, sollte uns freuen.

3) "3. Den Referenzpunkt auf das Jahr 2009 zu setzen, ist willkürlich und leider ein methodischer Fehler, weil die Kurs dort besonders niedrig waren und enormes Aufholpotential hatten. Dividendenzahlung sind mit der Krise nicht derartig stark gefallen, wie es die Kurse taten."

Richtig. Habe ich teilweise auch schon zu vorherigen Kommentaren was zu geschrieben. Vieleicht noch so viel: den April 2009 habe ich aus didaktischen Gründen gewählt, damit das Bild so deutlich ausfällt und die Message besser hängen bleibt. Die grundsätzlich Aussage jedoch - Kursgewinne tragen mehr zu Performance bei als Dividenden - bleibt unabhängig vom gewählten Zeitraum immer dieselbe.

4) "Ich möchte laufende Einnahmen haben und ich reinvestiere das Geld. Ich kann frei entscheiden; dann finanziert hat die Pharmadividende den Apple-Kauf ein wenig mit. Psychologisch finde ich es sehr wichtig, dass ich mittlerweile in jedem Monat mehrere Dividendenzahlungen habe."

Zum Thema Reinvestment siehe 2). Der psychologische Aspekt ist bei jedem anders gelagert. Genau deshalb biete ich drei idealtypische Wachstumsstrategien.

Je nachdem, wie wichtig einem laufende Dividendeneinkünfte sind, kann man sich an einer davon orientieren. Allen gemeinsam ist aber, dass nur in Wachstumswerte investiert wird. Hier noch einmal die Betonung, dass es keinen Widerspruch zwischen Dividenden und Wachstum (von Gewinn, Kursen und Dividenden) gibt.

5) "Ich sehe die Dividendenzahlungen als Ausweis der Potenz des Unternehmens. Ich renne nicht 6-Prozent-Dividenden hinterher, aber 3 % dürfen es gerne schon sein."

Sehr vernünftig. Wobei es für den Ausweis der Potenz eines Unternehmens bessere Kennzahlen gibt, beispielsweise die operative Rendite. Man darf nicht vergessen, dass zwischen Gewinn und Dividende nur ein indirekter Zusammenhang besteht. Deshalb ist es bei entsprechender Bilanzstärke für Unternehmen möglich, noch jahrelang auszuschütten, obwohl die Gewinne stagnieren oder man gar Verluste schreibt.

Gruß!

Torsten