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Welche Branchen zum Investieren geeignet sind

Wie der Leser richtig schreibst, liegt mein Fokus nicht auf Sektoren/Branchen, weil es im Wachstumsfinder letztendlich um die Bewertung und den Kauf von Einzelaktien geht. Würde ich es als meine Aufgabe ansehen, Branchenfonds oder ähnliches aufzulegen, sähe dies natürlich anders aus.

Nichts desto trotz kann ich trotzdem versuchen, Näherungswerte zu bestimmen. "Näherungswerte" deshalb, weil man folgende Dinge besser machen könnte:

  • Sinnhaftigkeit der Sektoren prüfen und ggf. einzelne Aktien anderen Sektoren zuordnen
  • Hierarchie einführen (z.B. Sektor / Branche), damit Teilanalysen genauere Informationen geben. Z.B. könnten Tabakaktien auf höchster Ebene zu Nahrungsmitteln gehören, eine Ebene tiefer dann aber direkt zu Tabak
  • Ausreißer identifizieren und aus der Analyse eliminieren. Dafür bräuchte es Kriterien, um die Ausreißer zu identifizieren

Mit diesen Einschränkungen darf nun also die Auswertung genossen werden. Aufgeführt werden Sektoren, in denen mindestens 10 Aktien vertreten sind. Die Abkürzungen sind im Tooltip des Wachstumsfinders oder hier nachzulesen. Dennoch hier kurz die Erklärung:

  • EPS: Gewinn pro Aktie
  • DPS: Dividende pro Aktie
  • SR: Steigerungsrate

Die voreingestellte Sortierung ist nach Korrelation des Gewinns pro Aktie absteigend. Es befinden sich also die Sektoren oben, deren Aktien den Gewinn im Laufe der Zeit am konstantesten steigern konnten. Aber Sie können die Sortierung nach Belieben ändern.

Sektor Anzahl Aktien EPS Korrelation DPS Korrelation EPS SR10 % DPS SR10 %
Filialen 11 0.77 0.62 8.34 13.78
Finanzdienstleister 16 0.63 0.87 4.13 11.34
Software 15 0.62 0.91 11.85 13.63
Konsumgüter 12 0.61 0.72 7.75 8.92
Medizintechnik 10 0.61 0.98 7.26 9.53
Chiphersteller 13 0.5 0.93 6.3 9.08
Nahrungsmittel 27 0.48 0.83 3.81 7.08
Anlagenbau 19 0.44 0.5 2.75 2.3
Pharma 35 0.42 0.79 5.39 0.39
Versorger 25 0.4 0.94 2.29 5.76
Versicherungen 17 0.33 0.64 -1.99 4.13
Chemie 16 0.33 0.76 0.61 8.8
Immobilien 15 0.26 0.79 2.77 -5.52
Elektrotechnologie 10 0.24 0.9 3.02 10.61
Broadcasting 10 0.21 0.59 6.91 9.68
Banken 25 0.13 0.17 -3.4 -1.77
Öl 13 -0.59 0.24 -11.43 -0.46

Ein paar Beobachtungen

Ganz oben das "Filialgeschäft". Hierunter sind sowohl Baumärkte als auch der Optiker Fielmann vertreten. Da war ich doch schon ein wenig überrascht, sagt man doch doch, der Onlinehandel hätte den stationären Handel abgehängt.

Finanzdienstleister und Banken schneiden extrem unterschiedlich ab. Die einen sind die Zweitbesten, die anderen die Zweit-Schlechtesten. Hängt vielleicht damit zusammen, dass die Finanzdienstleister die komplexen Finanzprodukte konstruieren und dann an die dummen Bänker verticken, die sie nicht verstehen, aber am großen Rad drehen wollen. Sicher spielt aber auch die Wirtschaftskrise in den südlichen Euroländern und damit verbunden die dortigen Kreditausfälle, eine Rolle.

Konsum- und Zukunftsbranchen (Software, Medizin) rangieren auch relativ weit oben. Öl und Immobilien (REITS) haben kaum Wachstum, bzw. Negativwachstum, auszuweisen. Auch nicht ganz überraschend.

Was man hier schön sehen kann: das Wachstum der Dividende ist im Allgemeinen konstanter als das des Gewinns. Ist auch klar, da das Management auch bei ein, zwei schlechteren Jahren meist an der Dividendenstrategie festhält.

Es gibt drei Sektoren, die heute weniger Dividende auszahlen als heute: Immobilien, Banken und Öl. Aber auch Pharma tut sich schwer.

Fazit

Alles in allem halte ich die Auswertung für recht plausibel, auch wenn man mit entsprechendem Zeitaufwand das Ganze noch aussagekräftiger machen könnte. Darüber stellt dies hier keine Empfehlung dar, Sektoren zu meiden oder blind zu kaufen. Es kommt schließlich immer auf den Einzelwert an. So gibt es auch im Bankensektor gute Werte, die im Wachstumsfinder Auszeichnungen erhalten haben.

Wer sonst noch was interessantes sieht oder eine kritische Anmerkung hat, darf gerne kommentieren.

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Kommentar von Ferhat |

Hi,

Ich finde die Betrachtung ziemlich interessant. Ich schaue persönlich nie auf Branchen, sondern eigentlich immer nur auf einzelne Unternehmen. Damit kein allzu großes Klumpenrisiko entsteht, versuche ich Aktien aus unterschiedlichen Branchen und Ländern zu kaufen.

Aber aus einer makroökonomischen Sicht auf einzelne Unternehmen zu schließen, halte ich für bedenklich. Ich stimme dir also vollkommen zu.

Antwort von Torsten

Hallo Ferhart,

ich empfinde genauso. Eine Auswertung auf Branchenebene ist zwar interessant, aber für die konkrete Kaufentscheidung nur bedingt hilfreich. Auch dein Ansatz, zu diversifzieren, liest sich sehr vernünftig.

Gruß,

Torsten