Wachstumsregeln

Nur weil die Wachstumsstrategie leicht nachvollziehbar ist, heißt dies nicht, dass nichts zu beachten wäre. Im Folgenden nenne ich ein paar ebenso einfache wie zeitlose Regeln, die man für den langfristigen Börsenerfolg beherzigen sollte. Die meisten Regeln gelten übrigens auch dann, wenn Sie eine andere Langfriststrategie mit Aktien fahren.

Schauen wir uns jedoch zunächst den historischen Verlaufe des S&P 500 an, in dem die 500 größten Unternehmen der USA enthalten sind:

Entwicklung des SnP500

Zwar ist in den letzten zwei Jahrzehnten die Volatilität gestiegen, doch der Megatrend steigender Kurse bleibt intakt, wo wir schon bei der ersten Grundregel sind:

Aktien wollen langfristig gehalten werden

Je länger Sie in Aktien investiert sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer hohen Rendite, wenn Sie eines fernen Tages verkaufen.

Dies gilt für den Aktienmarkt allgemein. Nehmen wir als Beispiel den Dax. Wer mit einem Einmalinvestment fünf Jahre lang im Dax investiert war und dann verkaufte, der hat seit 1950 neun mal Verluste erlitten, aber 41 mal Gewinn gemacht. Wer Seit 1950 10 Jahre lang im Dax investiert war, der hatte noch zwei Mal Pech gehabt. Wer aber 13 Jahre und länger investiert war, der hat stets eine positive Rendite erzielt. Je nach Einstiegszeitpunkt waren das 10 Prozent und mehr.

Schauen Sie sich das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts für den DAX und den Euro-Stoxx in Ruhe an. Verinnerlichen Sie sich, dass bei der Aktienanlage neben der Qualität des Unternehmens die Zeit ihr wichtigster Verbündeter ist.

Doch glauben Sie mir: nur weil Sie die Argumentation begriffen haben, sind Sie noch lange nicht vor Kurzschlusshandlungen gefeit. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass bei zwischenzeitlichen Kurseinbrüchen – von medialem Trommelfeuer begleitet – das Durchhalten nicht einfach ist. Verkaufen! Verluste begrenzen! Rette sich wer kann! Deshalb lautet die nächste Grundregel:

Bewahren Sie Ruhe, besonders in stürmischen Zeiten

Und Ruhe bewahren geht am Besten, wenn Sie davon überzeugt sind, dass ihre Strategie die richtige ist und ihre Aktien auch diese Krise überstehen und langfristig weiter steigen. Wo wir gleich bei zwei weiteren Grundregeln wären:

Kaufen Sie nach einer Strategie, von der Sie überzeugt sind

Eine Strategie gibt Ihnen einheitliche Kriterien an die Hand, nach denen Sie ihre Käufe tätigen. Ohne Strategie fehlt Ihnen die Orientierung und sind Sie äußeren Einflüssen schutzlos ausgeliefert. Was in ihrem Depot landet, ist dann mehr oder minder Zufall, abhängig von ihrer kurzfristigen Stimmung und den Eingebungen, denen Sie vor dem Kauf ausgesetzt waren.

Kaufen Sie ausschließlich Aktien, von denen Sie überzeugt sind

Gemeinsam mit ihrer Strategie verleiht Ihnen die Überzeugung das psychologische Fundament, um die Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre der Krisen nicht nur durchzustehen, sondern vielleicht sogar für sich zu nutzen, indem Sie dann günstig kaufen, wenn andere verkaufen. Deshalb sollten Sie wenigstens eine Ahnung davon haben, wie die Unternehmen ihr Geld verdienen und in welchen Märkten sie tätig sind.

Doch Fakten allein reichen nicht. Auch die Psyche muss mitspielen. Wegen unvermeidlicher Kursschwankungen und möglicher Verluste bei einzelnen Positionen schränke ich hier meine Aussage, dass jeder mit Aktien Geld verdienen kann, ein. Denn folgende Eigenschaft setzt der Börsenerfolg voraus:

Seien Sie psychisch in der Lage, mit Verlusten umzugehen

Wenn Sie noch niemals Aktien besaßen, wissen Sie vielleicht nicht, ob Sie zu den finanziell zartbesaiteten Naturen gehören, denen eine rote Zahl der Schlaf raubt. Dass finden Sie aber heraus, indem Sie es mit einem überschaubaren Betrag ausprobieren.

Ihr psychisches Durchhaltevermögen ist wichtig, verhindert aber nicht, dass Unternehmen in Krisenzeiten Pleite gehen und für deren Aktionäre ein Totalverlust entsteht. Das soll Ihnen aber nicht passieren, weshalb die nächste Regel lautet:

Kaufen Sie ausschließlich Wachstumswerte

Steigende Gewinne führen langfristig immer zu steigenden Kursen. Setzen Sie deshalb auf Unternehmen, deren Gewinn schon seit Jahren zuverlässig steigt.

Also stundenlang im Internet digitale Bilanzen wälzen und in Exceltabellen Vergleiche ziehen? Gott sei Dank nein. Als Aktionär, der sich mit einer soliden Marktrendite zufrieden gibt, haben Sie nicht den Anspruch, unterbewertete Aktien oder die kommenden Superstars der Börse aufzuspüren.  Viel mehr setzen Sie auf Wachstumsunternehmen, die bereits über viele Jahre hinweg Gewinn und Dividende gesteigert haben. Und da Bewährtes kein Geheimnis ist, finden Sie im Internet und anderen Medien eine Fülle an Informationen darüber, was für Unternehmen das sind. Doch nicht alle Quellen sind gleich nützlich und seriös. Deshalb gebe ich Ihnen den Ratschlag:

Wählen Sie ihre Informationsquellen gut aus und bleiben Sie da

Ihre Aktienstrategie wird schwerer umzusetzen sein, wenn Sie sich immer wieder von unterschiedlichen Quellen beeinflussen lasssen. Auf der Fahrt zur Arbeit die Börsennachrichten, in der Kantine ein Kollege mit heißen Tipps, Abends vor dem Fernseher die Börse im Ersten, und vom Internet ganz zu schweigen.

Wenn Sie immer wieder googeln, um ähnliche Informationen zu beziehen, ist dies ein Zeichen, dass Sie ihre Basisinformationsquellen noch nicht gefunden haben. Eine mögliche Quelle ist der Aktienfinder. Dieser Aktienscreener basiert auf der Wachstumsstrategie und hilft Ihnen bei der Suche nach Wachstumsaktien.

Sie haben nun also ihre Informationen und darauf basierend Qualität gekauft. Also alles gut? Leider nicht immer. Denn wir leben in stürmischen Zeiten, in denen selbst eine Qualitätsaktie Schiffbruch erleiden kann. Doch die nächste Grundregel weiß den möglichen Schaden zu begrenzen:

Verteilen Sie ihre Investments auf mehrere Wachstumswerte

Indem Sie also diversifizieren, wird es Ihnen wahrscheinlich wie mir ergehen. Sie erleiden mit einigen Positionen Verluste in Höhe von 20, 30 Prozent und mehr. Doch dem werden ungleich mehr Positionen gegenüberstehen mit Kursgewinnen von 100, 200 Prozent und mehr. Die Jahre wirken wie eine Schere, deren Klingen bestehend aus „Underperformern“ und „Highflyern“ immer weiter auseinander läuft. Nur wird die untere Klinge immer dünner werden, bis sie sich irgendwann völlig aufgelöst hat, wenn Sie die folgende Regel berücksichtigen:

Verkaufen Sie Wachstumswerte, deren Erfolgsgeschichte zu Ende ist

Doch woher wissen, ob es sich nur um eine begrenzte Krise handelt, oder ob die Erfolggeschichte eines Unternehmens für immer zu Ende ist?  Indikator hierfür ist der Kurs, der sich über Monate einfach nicht erholen will und sogar gegen den Markt gen Süden läuft.  Dann schaut man sich das Unternehmen einmal näher an. Handelt es sich um eine Art Nokia, also einen ehemaligen Marktführer, dessen Produkte plötzlich niemand mehr haben will, oder um eine E.On, der ein Politikwechsel das Geschäftsmodel zerstört? Falls ja, ziehen die Reißleine und verkaufen Sie. Wenn Sie sich unsicher sind, behalten Sie die Aktie für ein weiteres halbes Jahr. Dies schützt Sie davor, in stürmischen Zeiten Angstverkäufte zu tätigen, die Sie später bereuen.

Messen Sie den Tageskursen keine Bedeutung bei

Die tägliche Kursentwicklung zu verfolgen, bringt dem Wachstumsstrategen keinerlei Mehrwehrt. Im Gegenteil: es kostet Zeit, lenkt von der langfristigen Planung ab und macht zudem nervös. Weil die tägliche Kursschwankungen in den letzten Jahren gestiegen sind, ist diese Regel noch wichtiger geworden.

Von einzelnen Schiffbrüchen abgesehen wird das Groß ihrer Aktienflotte gen Norden segeln. Spazieren Sie an Deck ihrer Flagschiffe, genießen Sie ihren Erfolg. Doch bleiben Sie ein entspannter Admiral und lassen den Kapitänen und Steuermännern in den Unternehmen ihre Arbeit tun, soll heißen:

Reagieren Sie nicht auf negative Wirtschaftsnachrichten

Aber was, wenn Sie gezwungen sind, Aktien zu verkaufen, weil Sie plötzlich dringend Geld nötig haben und die Kurse eben eingebrochen sind? Dann haben Sie leider Pech gehabt, was sich jedoch mit folgender Grundregel vermeiden lässt:

Kaufen Sie Aktien nur mit Geld, dass Sie langfristig nicht benötigen

Es wäre doch schade, wenn Sie solide Wachstumswerte während einer Krise zu Tiefstkursen zu verkaufen gezwungen wären.

Nur diese Regeln zu lesen macht noch keinen krisenfesten Anleger aus ihnen. Deshalb der Rat:

Beschäftigen Sie sich mit der Börse, bis sie standfest geworden sind

Wahrscheinlich werden Sie öfter das Gleiche lesen in leicht abgewandelter Form. Das macht aber nichts, im Gegenteil. Denn Wiederholungen festigen ihr Börsenfundament, und Ihre Krisenfestigkeit wird Ihnen dabei helfen, ihre Anlegerziele zu erreichen, wo wir bei der nächsten Regel wären:

Machen Sie sich ihre Motivation als Anleger bewusst

Wollen Sie ein passives Einkommen generieren, indem Sie einen möglichst schnell steigenden Dividendenstrom aufbauen, vom dem Sie eines Tages leben können? Oder sind Sie bereit, auf Dividenden zu verzichten und streben eine höhere Rendite an? Vielleicht investieren Sie aber einfach deshalb in Aktien, weil die Alternativen wenig rentabel sind und wollen vor allem eines: größtmögliche Sicherheit?

Ihr konkretes Ziel wird Einfluss auf ihre konkrete Anlagestrategie haben. Auch im Rahmen der Wachstumsstrategie können Sie unterschiedliche Akzente setzen, beispielsweise je nachdem, wie wichtig Ihnen regelmäßige Dividendenausschüttungen sind. Drei beispielhafte Wachstumsstrategien finden Sie hier.

Prüfen Sie regelmäßig, ob Sie sich auf gutem Weg zu ihrem Ziel befinden

Gerade bei anspruchsvollen Zielen sind auch Zwischenziele hilfreich, die Ihnen eine Art Erfolgkontrolle erlauben und Ihnen bei der Orientierung helfen. Halten Sie die ausgerechneten monatliche Sparquoten ein? Entwickeln sich ihre Dividendeneinnahmen wie erwartet?

Sicher gibt es noch einiges mehr zu sagen, nicht umsonst gibt es unzählige Bücher und  Internetseiten, die versuchen, den unbefleckten Anleger an das Thema Aktie heranzuführen. Dennoch hoffe ich, die wesentlichen Punkte in aller Kürze verständlich dargelegt zu haben.